Zusammenfassende Dokumentation des

Abschluss-Workshop zum Projekt "Selbstständig & gesund"

(Oktober 2006)

Am 24. Oktober 2006 veranstaltete das Verbundprojekt selbstständig & gesund in den Räumen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Berlin (BAuA) den abschließenden Fachworkshop zur Prävention und Gesundheitsförderung bei selbstständiger Erwerbsarbeit. Widerum trafen sich ausgewiesene Expertinnen und Experten zum Thema, um über die Projektergebnisse und die Empfehlungen für ein "nationales Handlungskonzept" zu diskutieren. Im Zentrum des Programms standen die Ergebnisse des Projekts zur Prävention bei selbstständiger Erwerbsarbeit und die Frage, wie ein Transfer der Ergebnisse sicher gestellt werden kann. Wie schon im Vorjahr beteiligten sich eng am Thema arbeitenden Modellprojekte an der Veranstaltung, die von Michael Ertel, dem Betreuer des Projekts bei der BAuA, moderiert wurde.

Foto Tagung

Hintergrund-
informationen
Eine wichtige Hintergrund-Information der Workshop-TeilnehmerInnen war ein vorab zugeschicktes Diskussionspapier (PDF, 170 kB), in dem die Schlussfolgerungen aus dem Projekt selbstständig & gesund aus Sicht der daran Beteiligten dokumentiert sind. Dadurch bestand die Möglichkeit, im Vorfeld handlungsorientierte Essentials des Vorhabens zu lesen und sich damit kritisch auseinander zu setzen. - Dieses Papier, das Themen und Transferpotenziale kompakt aufzeigt, ist als Begleit- und Hintergrundinformation zu den folgenden Dokumenten und Einzelbetrachtungen sehr gut geeignet.



Eröffnungsvortrag
Der Vortrag ist hier als MP3-Datei (1,5 MB, 6:25 min.) ebenso zu laden wie die Präsentationsfolien (4 Folien, PDF, 113 kB).
In seinen einleitenden Erläuterungen skizziert Michael Ertel kursorisch das Untersuchungsfeld und den Projektertrag und erläutert die explizit politische Aufgabenstellung seitens der Europäischen Union. Deren Bedarf, der 2003 in der Empfehlung für nationale Handlungsprogramme formuliert wurde, wurde mit dem Projekt selbstständig & gesund bearbeitet um im Frühjahr 2007 eine qualifizierte Empfehlung an die EU abzugeben.

Im Einzelnen hebt Ertel den Stellenwert selbstständiger Arbeit hervor, die sich seit 1991 um 20 Prozent erhöht hat und nun die Arbeitsform von rund 11 Prozent aller Erwerbstätigen ist - mithin rund 4 Millionen Personen, darunter ein Viertel Frauen. Der Trend zur Selbstständigkeit, so Ertel, wird anhalten und damit die Zunahme einer Arbeitsform, die oft mit hohen Belastungen einhergeht. Da die Zielgruppe sehr heterogen ist - die Arbeitsform beispielsweise sowohl aus prekären Erwerbsbiografien wie als selbstgewählte Arbeits- und Lebensform gewählt wird - gibt es auch hoch differenzierte Anforderungen in Sachen Prävention. Die Bedeutung des Projekts sei insbesondere deshalb hoch einzuschätzen, weil Selbstständige bisher kein spezifisches Ziel der institutionalisierten Präventionsanstrengungen waren und Lücken in der Forschung und Umsetzung, mit dem Projekt beispielhaft aufgefüllt werden.

Zwischen Juli 2004 und November 2006 widmete sich das Projekt dazu der Bestandsaufnahme, der Umsetzungsunterstützung und Modellentwicklung für spezifische Zielgruppen, veranstalte Workshops und Öffentlichkeitsarbeit zur Promotion des Themas sowie zur weiteren Vernetzung mit Transferträgern.
Die so erarbeiteten Empfehlungen haben die Schwerpunkte persönliche Prävention, gendersensible Prävention, Ausbau etablierter Systeme der Ansprache und Existenzgründer-Unterstützung. Ertel betont, dass das Projekt natürlich eine definierte Laufzeit hatte, die Aktivitäten jedoch fortgesetzt werden. - Insbesondere in einem Folgeprojekt, das in spezifischen Dimensionen Transferwege entwickelt.



Leitüberlegungen
Der Folienvortrag (10 Folien, PDF, 165 kB) ist in den folgenden einzelnen MP3-Dateien als Hörvortrag nachzuvollziehen:
Einleitung (850 kB, 3:41 min.)
Folien 1-4 (1,9 MB, 7:58 min.)
Folie 5 (980 kB, 4:10 min.)
Folie 6 (810 kB, 3:27 min.)
Folien 7-8 (1,4 MB, 5:51 min.)
Folien 9-10 (1,2 MB, 5:05 min.)
In seinem Vortrag stellt Dr. Ulrich Pröll die Leitüberlegungen und mögliche Umsetzungsfelder für ein Handlungskonzept vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungs- und Entwicklungsstandes vor.

In einem ersten Teil (Folien 1 bis 4) analysiert er die Zielgruppen und ihren Präventionsbedarf, präsentiert erste strategische Leitüberlegungen für die Prävention und Gesundheitsförderung bei selbstständiger Erwerbsarbeit und betont die Bedeutung eines zielgruppennahen Transfers.

Dazu gehört insbesondere auch, die speziellen Erfahrungen und Bedürfnisse Selbstständiger in einem Konzept zu beachten. Kurz: Das Selbsterleben der Unternehmerinnen und Unternehmer zu beachten, das sich im "Spannungsbogen von Autonomie und harter Arbeit" bewegt. Zur Illustration skizziert Pröll die positiven Elemente des Autonomie-Erlebens ebenso wie die typischen Anforderungen und Belastungen, denen die Selbstständigen ausgesetzt sind. Hierzu gehören vor allem der permanente Akquisitionsdruck, wirtschaftliche Unsicherheit, hohe Flexibilitätsanforderungen, häufiger Termindruck, unzureichende soziale Absicherung etc.

Differenziert nach den Formen der Selbstständigkeit - im Spannungsbogen Solo-Selbstständigen und solchen die auch als Arbeitgeber fungieren - wird erläutert, was der Zielgruppe bei der Bewältigung der Anforderungen helfen kann (Folie 5) und welche zentralen Leitideen aus der Analyse der (Belastungs-)Situation wie den Bewältigungsmöglichkeiten folgen. (Folie 6) Hier wird geraten, sich auf die Kernanforderungen wie Selbstmanagement, Work-Life-Management, Stressbewältigung und Führungskompetenz zu konzentrieren.

Die Erkenntnisse und Empfehlungen geeigneter "Settings" - Handlungsstrukturen, in die man das Präventivkonzept implementieren kann - (Folie 7) und ihre mögliche Priorisierung (Folie 8) folgen unter anderem den in den Teilprojekten gewonnenen Erkenntnissen, die in den weiteren Vorträgen des Tages im Einzelnen vorgestellt werden.

Der Aufriss der Probleme und Potenziale sowie die strategischen Grundüberlegungen führen zu der zusammenfassenden Einschätzung, dass ein Transferpotenzial vorhanden ist, jedoch noch nicht ausreichend an den Zielgruppen erprobt ist. Insbesondere wird es als sinnvoll angesehen, die verschiedenen Entwicklungsfelder und ihre Akteure unter gemeinsamen Leitideen und Strategien zu vernetzen und - auch von Förderprogrammen getriebene - Konkurrenzen aufzuheben. Hierzu wird angeregt, die Forschungsprogramme entsprechend zu gestalten. (Folien 9 und 10) Generell zielt der Vorschlag darauf ab, ein Netzwerk von transferorientierten Entwicklungswerkstätten zu schaffen, dessen konkrete Ausgestaltung noch im Detail zu klären sein wird und zwischen den Akteuren abgesprochen werden muss.



Teilprojekte und
weitere Handlungsfelder
Zu den Vorträgen über die Teilprojekte und die Vorstellung der weiteren Transferpotenziale und Entwicklungsbedarfe in einzelnen Handlungsfeldern werden an dieser Stelle keine Einführungstexte präsentiert: Deren Inhalte werden in den entsprechenden Folien und (leicht gekürzten) Ton-Mitschnitten ausreichend deutlich. Die ausgewählten Beispiele zeigen Optionen für die Einbindung des persönlichen Gesundheitsschutzes Selbstständiger in verschiedenen Bereichen:

Selbst organisierte Gemeinschaften von (Solo-)Selbstständigen Unterstützungsmaßnahmen für Existenzgründungen Handlungshilfen für Gesundheits- und Sicherheits-Management in Kleinunternehmen Angebote der Gesundheitsförderung für Klein- und Handwerksunternehmen Dialog- und Dienstleistungsangebote der Kammern und Fachverbände